Welche Rolle spielt das Hör- bzw. Hör-Sehverstehen im EGS?
wichtige Rolle
grundlegende Fertigkeit (Aufbau sprachlicher Kompetenz beginnt mit Entwicklung des Hör- bzw. Hör-Sehverstehens)
aber kein isolierter Aufbau (ganzheitlicher Spracherwerb)
Was sind chunks?
sprachliche Fertigteile, die als feststehende Äußerungen gespeichert und abgerufen werden und sich teilweise auch auf neue Kontexte übertragen lassen
chunks haben einen hohen kommunikativen Nutzwert
z.B. "My name is..." , "Do you like...(apples/bananas/football/...?", "Watch me...(dance/sing/walk...)!"
Welche Rolle spielt die Schrift im EGS?
Sie hat eine dienende, lernunterstützende, behaltensfördernde Funktion.
Wie erkennen Sie ein Kind mit besonderem Förderbedarf im EGS?
Der Förderbedarf lässt sich auf der Basis von Beobachtungen feststellen, die sich im normalen Unterrichtsgeschehen oder in gezielt geplanten Beobachtungssituationen ergeben.
Welche Hörverstehenshilfen kennen Sie?
teacher talk (Tempo, Betonung, Wiederholungen,...)
Visuelle Verstehenshilfen (Gegenstände, Fotos, Bewegungen,...)
Akustische Verstehenshilfen (erklärende Geräusche,...)
Audio-visuelle Verstehenshilfen (eindeutige Situationen in Filmen,...)
Erklären Sie den Unterschied zwischen kommunikativem und vorkommunikativem Sprechen!
Kommunikatives Sprechen: Inhalt und Botschaft im Vordergrund (sagen, was man sagen möchte)
Vorkommunikatives Sprechen: Sprachstrukturen im Vordergrund (Imitation/ Reproduktion)
Wichtig: Auch im Anfangsunterricht sollten die Kinder über das reproduktive Sprechen hinaus schon zu eigenständiger Sprachverwendung ermuntert werden! (language learning = language use)
Warum sollte Wortschatz erst lautlich gesichert werden, bevor das Schriftbild hinzugezogen wird?
Um zu vermeiden, dass die Kinder den Wortschatz lautierend erlesen ("spelling pronunciation") und es so zu Aussprachefehlern kommt.
Welche Formen der Differenzierung kennen Sie?
nach Böttger:
- nach Übungsanzahl, Arbeitsmenge oder Stoffumfang (quantitativ)
- nach Übungstyp und Grad der Unterstützung (qualitativ)
- nach Unterrichtsformen
- nach Sozial- und Kooperationsformen
- mit Medien
Erklären Sie die TPR-Methode!
TPR = Total Physical Response (James Asher, Entwicklung in 60er Jahren)
auch "Verstehensmethode"
verbindet Sprachvermittlung mit Bewegung
in Reinform in 5 Phasen:
1. Lehrer gibt Befehl , führt ihn selbst aus, SuS beobachten
2. SuS führen Befehl selbst aus, orientieren sich am Lehrer
3. wie 2, aber ohne Orientierung am Lehrer
4. SuS sprechen den Befehl nach
5. SuS übernehmen Lehrerrolle und erteilen Befehle
Nennen Sie mind. drei mögliche Ursachen für "schweigende" Schüler!
5 Ursachen nach Waas/Hamm:
- Angst unterdrückt die Sprachproduktion
- mangelndes Wissen über sprachliche Gesetzmäßigkeiten
- Lautbildung gelingt nicht
- mangelndes Situationsverständnis
- Sprechsituation ist zu uninteressant (mangelnde Motivation)
Welchen Stellenwert nimmt die Orthografie ein?
Die Orthografie nimmt einen untergeordneten Stellenwert ein. Die Aussagen des Lehrplans zur Orthografie legen ausdrücklich fest, dass die Kinder Wörter und Sätze nicht auswendig richtig aufschreiben können müssen, diese jedoch nach Vorlage richtig abschreiben können sollten. Erste Rechtschreibmuster wenden die SuS am Ende von Klasse 4 an (z.B. "sh" statt "sch", Kleinschreibung von Nomen)
Der Schwerpunkt Orthografie fließt nicht in die Leistungsbewertung ein (keine Vokabeltests!)
Welche Rolle spielen Fehler im Lernentwicklungsprozess?
Fehler sind notwendige Zwischenschritte im Lernprozess und können wertvolle Hinweise zum jeweiligen Entwicklungsstand geben.
Welche Kritik lässt sich an der "reinen" TPR-Methode üben?
Input zu einseitig, Befehle entsprechen nicht dem normalen Sprachgebrauch
Folge: kein Aufbau kommunikativer Kompetenz (vgl. z.B. Schmid-Schönbein)
Sambanis: frühe Verzahnung der interdependenten Fertigkeiten des Hörens und Sprechens, um sprachliche Handlungsfähigkeit auszubilden
Nennen Sie mind. drei Hilfen, die Sie Kindern zum Sprechen anbieten können!
5 Hilfen nach Waas/Hamm:
- Sicherheit/ Selbstvertrauen (Lob, geschützte Situation in PA,...)
- häufiges Hören kommunikativ relevanter Texte
- Gewöhnung an fremdsprachliche Laute (Lieder, Reime, chants...)
- kindgemäße, interessante Sprechanlässe
- Satzstrukturen anbieten
Warum sollte Grundschulkindern das Schriftbild lautlich gesicherter Wörter nicht vorenthalten werden?
Kinder kommen ständig mit englischer Schrift in Berührung, ein Vorenthalten der Schrift ist unnatürlich und führt zu invented spelling
gute Unterstützung insbesondere für visuelle Lernertypen
Umgang mit Schriftbild fördert language awareness
Wie gehen Sie mit Fehlern um?
sensibel und behutsam
grundsätzlich: corrective feedback
Unterscheidung von zwei Fehlerarten:
error (Kompetenzfehler): entwicklungsbedingte Fehler, ggf. späteres Aufgreifen (language awareness)
mistake (Versprecher, Flüchtigkeitsfehler, kurze Aussetzer): Kinder können diese Fehler oft selbst korrigieren.
Was versteht man unter der "Dreiphasigkeit der Hörverstehensarbeit" (Hadfield & Hadfield) ?
1. pre-listening activities
2. while-listening-activities
3. post-listening-activities
Was sind kommunikative tasks? Nennen Sie Beispiele!
Nach Keßler und Kohli sind kommunikative tasks Aufgaben, bei denen die Bedeutung (und weniger die Struktur) der Sprache im Vordergrund der Sprachverwendung stehen.
Beispiele:
information-gap-activties
interviews
role plays
Was sind brick words und wie lassen sich diese nutzen?
Wortgerüste als visuelle Gedächtnisstütze für die Kinder, z.B. b_rd für bird,
l__n für lion
lautierendes Lesen wird so vermieden, z.B. im Anfangsunterricht
Warum können noch nicht alle Kinder im Grundschulalter systematischen Regelerklärungen folgen?
Entwicklungspsychologische Stufen (Piaget):
Kinder befinden sich teilweise noch in präoperationaler Phase (ca. bis zum 7./8. Lebensjahr) und damit ist ihr Denken mehr von der Wahrnehmung als von der Logik beherrscht.
konkret-operationale Phase: Denken wird zunehmend durch Logik bestimmt (7.-11. Lebensjahr)
Erwerbsstufentheorie (Pienemann):
Nach Pienenmann erfolgt der Spracherwerb gemäß psycholinguistischen Gesetzmäßigkeiten in einer Abfolge von Stufen, die von den Lernern unterschiedlich schnell durchlaufen, aber nicht übersprungen werden können.