Handlung & Inhalt
Figuren
Wer sagt das?
Historischer Kontext
Bonusfragen
100

Wohin wird Emilia nach dem Überfall gebracht?

Auf das Lustschloss des Prinzen (Dosalo)

100

In welcher Beziehung steht Gräfin Orsina zum Prinzen?

Sie ist seine ehemalige Geliebte, die er verlassen hat.

100

„Recht gern."

Der Prinz (als er das Todesurteil unterschreiben will, I.8)

100

Welche Rolle hatte die Ehefrau laut dem Universal-Lexicon des 18. Jahrhunderts?

Sie war dem Mann unterworfen, führte den Haushalt und schuldete ihm Gehorsam, Liebe und Ehrfurcht. Ihre gesellschaftliche Stellung hing vollständig vom Mann ab.

100

Was wollte Lessing laut seinem Brief an Nicolai mit der Tragödie beim Publikum erreichen?

Mitleid erregen. Lessing war überzeugt, dass Mitleid die Menschen besser macht. Die Tragödie soll „unsere Fähigkeit, Mitleid zu fühlen, erweitern".

200

Warum liest der Prinz den Brief der Gräfin Orsina im ersten Aufzug nicht?

Er hat kein Interesse mehr an Orsina, weil er in Emilia verliebt ist.

200

Warum lebt Odoardo getrennt von seiner Frau und Tochter?

Odoardo lebt auf dem Landgut in Sabionetta, weil er den Hof und die Stadt verachtet. Claudia lebt mit Emilia in der Stadt in der Nähe des Hofes, damit Emilia eine gute Erziehung bekommt.

200

„Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren."

Gräfin Orsina (zu Odoardo, IV.7)

200

Nennt den zentralen Widerspruch, in dem das Bürgertum im 18. Jahrhundert steckte.

Das Bürgertum war intellektuell und moralisch mündig (Bildung, Tugend, Vernunft), aber politisch unmündig — es war von politischer Mitbestimmung ausgeschlossen.

200

Benennt die fünf Teile der Dramenpyramide nach Gustav Freytag.

1. Exposition — 2. Steigende Handlung — 3. Höhepunkt/Peripetie — 4. Fallende Handlung (mit retardierendem Moment) — 5. Katastrophe

300

Wer wird bei dem Überfall auf die Hochzeitskutsche getötet?

Graf Appiani

300

Wer ist Marinelli?

Der Kammerherr des Prinzen — er plant und organisiert die Intrige.

300

„Ich habe keinen Willen gegen den Ihrigen."

Emilia (zu ihrer Mutter Claudia, II.6)

300

Was versteht man unter dem „aufgeklärten Absolutismus"?

Eine Regierungsform, bei der der Fürst uneingeschränkt herrscht, sich aber als aufgeklärter Reformer versteht — der Fürst als „erster Diener des Staates".

300

Was ist ein „bürgerliches Trauerspiel"?

Ein Drama, in dem nicht adelige, sondern bürgerliche Figuren im Mittelpunkt stehen und tragisch scheitern. Lessing hat diese Gattung in Deutschland begründet.

400

Welchen Vorwand nutzt Marinelli, um Graf Appiani von der Hochzeit abzuhalten?

Er soll als Gesandter des Prinzen nach Massa geschickt werden.

400

Warum ist Odoardo von Graf Appiani als Schwiegersohn begeistert, obwohl dieser Adeliger ist?

Appiani lehnt das Hofleben ab und will mit Emilia aufs Land ziehen. Er vertritt bürgerliche Werte trotz seines Adelstitels.

400

„Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert."

Emilia (ihre letzten Worte, V.7)

400

Was bedeutete der Rückzug ins Private für das Bürgertum?

Da das Bürgertum politisch machtlos war, schuf es sich in der patriarchalischen Familie, in Lesezirkeln und Kaffeehäusern eigene Freiräume, die dem Zugriff des Staates entzogen waren.

400

Emilia zerpflückt in der Schlussszene eine Rose. Was symbolisiert das?

Den Verlust der Unschuld. Die Rose steht für Emilias Tugend, die durch die Verführung des Prinzen bedroht ist. Indem sie die Rose zerpflückt, nimmt sie den Verlust vorweg und entscheidet sich für den Tod.

500

Was genau plant Emilia für den Tag, an dem das Drama spielt — und warum kommt es nicht dazu?

Sie will Graf Appiani heiraten. Der Überfall auf die Hochzeitskutsche, den Marinelli arrangiert hat, verhindert die Hochzeit.

500

Goethe soll über Emilia gesagt haben, sie sei entweder ein „Gänschen" oder ein „Luderchen". Erklärt beide Sichtweisen kurz.

„Gänschen": Emilia ist naiv, lässt sich von den Eltern lenken und ordnet sich unter. „Luderchen": Emilia ist durchaus von dem Prinzen fasziniert, verdrängt ihre Gefühle aber und gibt sie erst in V.7 zu, als sie sagt, die Verführung sei die wahre Gewalt.

500

„Verführung ist die wahre Gewalt."

Emilia (zu Odoardo in der Schlussszene, V.7)

500

Inwiefern spiegelt Odoardos Verhalten den bürgerlichen „Eskapismus" wider?

Odoardo zieht sich bewusst auf sein Landgut Sabionetta zurück, um dem Einfluss des Hofes zu entkommen. Er flieht aus einer Welt, die er nicht verändern kann, statt sich politisch gegen den Adel zu wehren. Diese Flucht ins Private ist typisch für das Bürgertum des 18. Jahrhunderts.

500

Am Ende des Dramas sagt der Prinz zu Marinelli: „Geh!" Viele Interpretationen sehen darin eine Anklage. Aber wen klagt der Prinz eigentlich an — und ist das berechtigt?

Der Prinz schiebt Marinelli die Schuld zu. Das ist nur teilweise berechtigt: Marinelli hat die Intrige geplant und ausgeführt, aber der Prinz hat ihm freie Hand gegeben (I.6) und die Konsequenzen billigend in Kauf genommen. Die Szene zeigt, wie der absolutistische Herrscher Verantwortung abwälzt, statt sie zu übernehmen.

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