Wie lautet die einfachste volkswirtschaftliche Definition für einen "Markt"?
Ein Markt ist der Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen.
Wofür steht die Abkürzung BIP und was sagt sie in einem Satz aus?
Bruttoinlandsprodukt. Es misst die Wirtschaftskraft eines Landes (Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen in einem Jahr im Inland).
Nenne die vier klassischen Phasen eines Konjunkturzyklus in der richtigen Reihenfolge.
1. Aufschwung (Expansion) → 2. Hochkonjunktur (Boom) → 3. Abschwung (Rezession) → 4. Konjunkturtief (Depression).
Was ist das im EU-Vertrag verankerte oberste Hauptziel der Europäischen Zentralbank (EZB)?
Die Sicherung der Preisniveaustabilität im Euroraum (angestrebt wird eine Inflationsrate von unter, aber nahe bei 2 %).
Was sind die "vier Grundfreiheiten", die den Europäischen Binnenmarkt definieren?
1. Freier Warenverkehr, 2. Freier Personenverkehr, 3. Freier Dienstleistungsverkehr, 4. Freier Kapitalverkehr.
Was ist der entscheidende Unterschied zwischen einer "Bewegung auf der Nachfragekurve" und einer "Verschiebung der Nachfragekurve"?
Eine Bewegung auf der Kurve erfolgt nur bei einer Änderung des Preises für das Gut selbst. Eine Verschiebung der Kurve erfordert einen externen Faktor, z. B. die Änderung des Einkommens oder der Trends/Präferenzen.
Die Berechnung des BIP kann auf drei Arten erfolgen. Wie heißen diese drei Rechnungen?
1. Entstehungsrechnung (Wo wurde produziert?), 2. Verwendungsrechnung (Wofür wurde es ausgegeben?), 3. Verteilungsrechnung (Wer hat das Einkommen erhalten?).
Nenne die vier Ziele des "Magischen Vierecks" (Stabilitätsgesetz von 1967).
1. Preisniveaustabilität, 2. Hoher Beschäftigungsstand, 3. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, 4. Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum.
Was passiert bei einer Deflation mit dem allgemeinen Preisniveau und der Kaufkraft des Geldes?
Das allgemeine Preisniveau sinkt, dadurch steigt die Kaufkraft des Geldes. (Man bekommt für denselben Euro mehr Güter als vorher – was aber makroökonomisch zu Kaufzurückhaltung führt).
Erkläre den volkswirtschaftlichen Begriff "Protektionismus" und nenne zwei konkrete Instrumente, mit denen Staaten ihn ausüben.
Protektionismus ist der staatliche Schutz der heimischen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz. Typische Instrumente sind tarifäre Handelshemmnisse (z. B. Einfuhrzölle) und nichttarifäre Handelshemmnisse (z. B. Importquoten oder extrem strenge technische/gesundheitliche Zulassungsnormen).
Nenne drei Funktionen, die der Marktpreis auf einem vollkommenen Markt erfüllt.
Signalfunktion/Informationsfunktion (zeigt Knappheit), 2. Lenkungsfunktion/Allokationsfunktion (lenkt Ressourcen dorthin, wo sie gebraucht werden), 3. Selektionsfunktion/Ausschaltungsfunktion (zu teure Anbieter fliegen aus dem Markt).
Was ist der genaue Unterschied zwischen dem Inlandskonzept (BIP) und dem Inländerkonzept (Bruttonationaleinkommen - BNE)?
Das Inlandskonzept (BIP) misst alle Werte, die innerhalb der geografischen Landesgrenzen erwirtschaftet wurden (egal ob von In- oder Ausländern). Das Inländerkonzept (BNE) misst alle Werte, die von Inländern (Personen mit inländischem Wohnsitz) erwirtschaftet wurden, egal ob sie im Inland oder Ausland gearbeitet haben.
Nenne den Auslöser für "strukturelle Arbeitslosigkeit" und ein Beispiel.
Sie ist das Ergebnis von tiefgreifenden Strukturkrisen (Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, technologischer Fortschritt). Die Qualifikation der Arbeitslosen passt nicht mehr zu den offenen Stellen (z. B. Kohle-/Stahlarbeiter finden keine Jobs in der IT).
Mit welchen drei Instrumenten betreibt die EZB ihre Geldpolitik?
1. Offenmarktgeschäfte (Steuerung über den Leitzins), 2. Ständige Fazilitäten (Spitzenrefinanzierung und Einlagen für das Übernachtgeschäft), 3. Mindestreservepflicht.
Warum birgt ein permanenter, extremer Exportüberschuss (ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht) ein Risiko für die heimische Preisniveaustabilität?
Es droht eine importierte Inflation. Durch massive Exporte fließt viel ausländisches Geld ins Inland. Die inländische Geldmenge steigt dadurch schneller an als die im Inland verfügbare Gütermenge (da die produzierten Güter das Land verlassen). Dieses Missverhältnis treibt die Preise nach oben.
Ab wann gilt die Preiselastizität der Nachfrage mathematisch und in der IHK-Klausur als "elastisch"?
Wenn der errechnete Wert (das Vorzeichen wird dabei meist ignoriert) größer als 1 ist. Das bedeutet, dass die Menge (in Prozent) stärker reagiert als der Preis.
Was misst die volkswirtschaftliche "Lohnquote" und wie wird sie berechnet?
Sie zeigt die Einkommensverteilung in einer Volkswirtschaft. Sie wird berechnet, indem man das Arbeitnehmerentgelt durch das Volkseinkommen teilt (mal 100). Sie gibt an, wie viel Prozent des Volkseinkommens an die unselbstständig Beschäftigten fließt.
Was ist der Kernunterschied zwischen "nachfrageorientierter" (Keynes) und "angebotsorientierter" (Friedman) Wirtschaftspolitik?
Bei der Nachfragepolitik greift der Staat kurzfristig massiv ein (z. B. durch Konjunkturprogramme auf Schulden), um die Nachfrage in der Krise zu stimulieren. Bei der Angebotspolitik hält sich der Staat raus und verbessert stattdessen langfristig die Rahmenbedingungen für Unternehmen (z. B. Steuersenkungen).
Erkläre den Wirkungsmechanismus: Wie drückt die EZB eine zu hohe Inflation durch eine Leitzinserhöhung wieder nach unten?
Die EZB betreibt restriktive Geldpolitik. Das Geldleihen wird für Geschäftsbanken teurer. Die Banken geben diese höheren Zinsen an Unternehmen und Privatkunden weiter. Kredite werden extrem teuer, die Investitions- und Konsumnachfrage bricht ein. Unternehmen können keine höheren Preise mehr durchsetzen.
Der Euro wertet gegenüber dem US-Dollar stark auf (ein Euro kostet plötzlich 1,20 $ statt 1,05 $). Beurteile die konkreten Auswirkungen auf die Absatzchancen eines deutschen Maschinenbauers in den USA.
Die Auswirkungen sind ungünstig. Durch die Aufwertung des Euro werden die deutschen Maschinen für die amerikanischen Kunden spürbar teurer. Die Nachfrage nach deutschen Exportgütern in den USA wird sinken. (Der Trade-off: Für deutsche Importeure werden Rohstoffe aus den USA gleichzeitig billiger).
Erläutere die Preisbildung auf einem Angebotsmonopol im Vergleich zum Polypol (vollkommene Konkurrenz).
Im Monopol hat der Anbieter keine Konkurrenz, er ist Preisfixierer. Er kann die Preise unabhängig bestimmen und verlangt in der Regel einen höheren Preis als im Polypol. Die Menge, die am Markt gehandelt wird, ist dadurch geringer als die Gleichgewichtsmenge bei vollkommener Konkurrenz.
Nenne drei Beispiele, warum ein steigendes BIP von Kritikern nicht automatisch mit steigendem Wohlstand gleichgesetzt wird.
1. Behebung von Unfall- oder Katastrophenschäden (erhöht BIP, aber nicht Wohlstand). 2. Schwarzarbeit oder Hausarbeit fehlt im BIP komplett (obwohl sie Wohlstand schafft). 3. Das BIP ignoriert die Einkommensverteilung (die Schere zwischen Arm und Reich) sowie Umweltschäden.
Erkläre an einem Praxisbeispiel das Prinzip der "antizyklischen Fiskalpolitik" (Deficit Spending) in einer Rezession.
Der Staat handelt bewusst gegen den Konjunkturzyklus. In einer Rezession (Abschwung) erhöht der Staat seine Ausgaben (z. B. durch riesige Bauaufträge für Brücken) und/oder senkt die Steuern, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage künstlich anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Das dafür fehlende Geld leiht er sich über Staatsschulden.
Wie können mächtige Unternehmen (Oligopole/Monopole) die Inflationsbekämpfung der EZB in der Praxis durchkreuzen?
Unternehmen mit großer Preissetzungsmacht können die Gelegenheit (eine generelle Preisspirale) nutzen, um ihre Preise über die eigentlichen Kostensteigerungen hinaus anzuheben, um ihre Gewinne zu maximieren. Auch können Gewerkschaften bei der Lohnaushandlung Lohnabschlüsse erzwingen, die weit über dem Produktivitätszuwachs liegen (Lohn-Preis-Spirale).
Ein deutsches Unternehmen will einen ausländischen Markt erschließen und gründet dafür ein "Joint Venture". Erkläre diese Form der Kooperation und benenne den strategischen Trade-off (Chance vs. Risiko).
Ein Joint Venture ist ein Gemeinschaftsunternehmen von (meist zwei) rechtlich und wirtschaftlich unabhängigen Partnern.